"Ablativus absolutus" ist kein Toilettenreiniger! - Ein museumspädagogischer Workshop zur lateinischen Epigraphik für SchülerInnen

Inschriften Römer Latein Epigraphik
Inschriftenwand in einer Kirche in Rom (Foto: pjes via Pixabay.de)

Lateinische Inschriften? Iiiihhhh!!!!  Aber allen Lateinmuffeln, die so denken, sei versichert: Es gibt Hoffnung, denn die Sache ist halb so wild!  Der Schatz an Vokabeln, der hierfür benötigt wird, ist noch deutlich geringer als der, den man für die Lektüre von Cäsars berühmt-berüchtigtem "De bello gallico" auf der Pfanne haben muss. Auch das Auftreten von perfiden grammatischen Gemeinheiten und von Satzungetümen à la Cicero sind nicht zu erwarten. Was die Sache - zugegebenermaßen - dann doch etwas ungemütlich macht, sind die vielen Abkürzungen. Aber: Die Generation "Smartphone" ist dabei klar im Vorteil, denn auch in der heutigen SMS- und  Chatsprache gibt es das Phänomen der Abkürzungen, die aus dem selben Grund erfunden wurden wie die Abkürzungen auf den Inschriftensteinen der Römer: Platzmangel. Man kann eine Reihe von Informationen auf der begrenzten Fläche eines Steines bzw. in einer SMS mit limitierter Zeichenzahl unterbringen, wenn man allseits bekannte, immer wiederkehrende Worte und Formeln abkürzt. Hier einige Kostproben:


Römerzeit (Epigraphik), Beispiele:                                                                           21. Jahrhundert (SMS- und Chat-Sprache), Beispiele:


D(is) M(anibus) Den Totengöttern geweiht. H(ab) d(ich) g(anz) d(oll) l(ieb)  (Zuneigungsbekundung)

 

M(arcus)                                                   

Marcus L(aughing) o(ut) l(oud) Laut lachen.
S(it) t(erra) t(ibi) l(evis) Die Erde sei dir leicht. Y(ou) o(nly) l(ive) o(nce) Du lebst nur einmal.
Co(n)s(ulibus) Unter dem Konsulat. R(oll) o(n) f(loor) l(aughing) Sich auf dem Boden wälzen vor Lachen.
In h(onorem) d(omus) d(ivinae) Zu Ehren des göttlichen Kaiserhauses. S(o)rry 'tschuldigung!
 H(ic) s(itus/-a) e(st)  Er/sie liegt hier begraben. Mom(ent) (ich) tel(efoniere gerade)

 Ich kann grad nicht!

 


Die zehnte Klasse eines Gymnasiums (mit vier Jahren Lateinunterricht) wagte sich am vergangenen Freitag tapfer im Rahmen eines Workshops an die Sache heran. Schauplatz des Geschehens war das Museum für Antike Schifffahrt in Mainz. Es beherbergt eine ganze Reihe von Kopien von Inschriften, die mit der römischen Flotte in Zusammenhang stehen. Diese sind gut lesbar und eignen sich somit hervorragend für so einen Workshop, mit dessen Hilfe auch wenig erfahrene Lateinschüler erste Schritte im Feld der Inschriftenkunde machen können. In Gruppen eingeteilt nehmen sich die Teilnehmer jeweils eine Inschrift in der Dauerausstellung vor, die sie auflösen, lesen und übersetzen. Ihre Ergebnisse präsentieren die Gruppen abschließend der gesamten Klasse. Als Hilfestellung bekommt jede Gruppe eine Liste mit den häufigsten Abkürzungen. Im Zweifelsfall darf man aber auch die Workshopleitung oder die Lehrer fragen ;-)

Ich habe dieses Programm, das von der wissenschaftspädagogischen Abteilung des Römisch-Germanischen Zentralmuseums konzipiert wurde, jetzt schon mehrfach geleitet und bin immer wieder erstaunt , welche guten Ergebnisse dabei erzielt werden. Die Inschriften werden häufig ganz oder zumindest in großen Teilen entziffert. Totalpleiten habe ich dabei noch keine erlebt. 

Falls jemand nun Interesse bekommen hat: Das Programm heißt "Hic saxa loquuntur. Eine Einführung in die lateinische Epigraphik" und ist über den Service des Römisch-Germanischen Zentralmuseums buchbar.

Weitere Info: Abteilung Bildung und Vermittlung des RGZM

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