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Das römische Mainz für Fortgeschrittene - Ein Beitrag zur Blogparade: Mein Kulturtrip im Sommer für Dich - #KultTrip

Mainz, Römer
Zaun des Baugeländes des neuen Archäologischen Zentrums in Mainz (Foto: J. Zerres)

Zu einem gelungenen Kulturtrip gehört für mich unbedingt der Besuch von archäologischen Stätten und Museen. Für uns Archäologen gilt nämlich: Sightseeing is siteseeing.  Wir kommen halt nicht raus aus unserer Haut und können es nicht lassen auch in der Freizeit Dinge anzuschauen, die mit dem Beruf zu tun haben.  So sind wir halt...

Das römische Mainz verdient einen Blick oder besser gleich mehrere! Es gibt nämlich im Vergleich  mit vielen anderen Orten mit römischen Wurzeln eine ganze Menge zu sehen. Vieles davon ist ungewöhnlich, einmalig. Die Stätten geben eine Idee von der Bedeutung und Größe der einstigen Garnisons- und Provinzhauptstadt. Meines Erachtens muss Mainz im puncto "Bedeutende Zeugnisse der Römerzeit" den Vergleich mit Trier nicht scheuen. Allerdings sind die hiesigen archäologischen Stätten bis auf wenige Ausnahmen - im Gegensatz zu den Trierer Monumenten -  alles andere als gut präsentiert und für den Tourismus aufbereitet. Mit dem Aufstellen von Wegweisern oder Informationstafeln ist man hier recht zurückhaltend. Zuweilen wirken einige Stätten etwas vernachlässigt und verwildert. Dabei ließe sich in Sachen Attraktivität für Touristen (und Einheimische) ein ganze Menge machen. Als Fan digitaler Medien  könnte ich mir z. B. eine App vorstellen, mit der die Besucher auf Besichtigungstour gehen könnten. Ich kann bei bestem Willen nicht alle Informationen zum römischen Mainz hier in diesen Bericht packen. Das würde den Rahmen sprengen. Es sind aber weitergehenden Informationen zu einzelnen Besichtigungspunkten verlinkt. Es empfiehlt sich also mit dem Smartphone/Tablet unterwegs zu sein und an Ort und Stelle weitere Infos abzurufen.

Links: Hie

Basics

Bevor es losgeht möchte ich noch einige Grundinformationen zur Geschichte des römischen Mainz geben.  Der Ort heißt lateinisch Mogontiacum und seine Anfänge liegen im Jahre 13/12 v. Chr. Die Stiefsöhne des Kaisers Augustus Tiberius und Drusus, der Ältere planten einen Eroberungsfeldzug ins rechtsrheinische Germanien. Der Hügel (Kästrich)  gegenüber der Mainmündung wurde von den Strategen der Legion als idealer Standort für eine Militärbasis ausgeguckt, denn von hier aus konnte man das Rheintal, also die Grenze des seit Cäsars Zeiten römisch eroberten Gebietes überwachen. Die Mainlinie ermöglichte es Menschen und Material problemlos in das Feindesland zu transportieren. Der Kästrich bot ausreichend Platz für ein Doppellegionslager von ca. 35 Hektar. Zusätzlich gab es noch ein kleines Lager im Süden (Stadtteil Weisenau) und ein weiteres im rechtsrheinischen Kastell zur Sicherung des Brückenschlages. Das römische Militär siedelte sich niemals alleine irgendwo an. Stets gehört ein Troß von Zivilisten dazu. So entstand  am Fuße des Kästrich eine große Siedlung, die am Ende des 1. Jahrhunderts zur Hauptstadt der Provinz Germania superior ernannt wurde. Es folgte eine relativ lange Zeit des Friedens. Mainz lag inzwischen nicht mehr an der Grenze, denn diese wurde unter Kaiser Domitian vom Rhein in die Wetterau verlagert. Im späten 3. Jahrhundert begann die gewohnte Sicherheit zu bröckeln, da die Alamannen aus dem Rechtsrheinischen eine zunehmende Bedrohung darstellten. Mogontiacum wurde zum Schutz mit einer Stadtmauer umgeben. Ca. ein Jahrhundert später wurde das Legionslager unter dem anwachsenden Druck der germanischen  Einfälle aufgegeben und die Soldaten lebten in der Stadt. Mehrfach fiel Mainz in späten 4. und frühen 5. Jahrhundert germanischen Überfällen zum Opfer bis die Römer das Gebiet in der Mitte des 5. Jahrhunderts endgültig aufgaben.

Mehr wissen? Klicken Sie hier.

Karte mit den empfohlenen Besichtigungsorten

Refugees welcome!

Mainz, Römer
Rekonstruktion des Dativius-Victor Bogen (Foto: Matthias Süßen via wikimedia.commons.de)

Dativius Victor, Ratsherr der Siedlung  Nida/Frankfurt-Heddernheim und ehemaliger Provinzpriester, floh in der Mitte des 3. Jahrhunderts mit seiner Familie nach Mainz. Germanische Überfälle auf das rechtsrheinische Herrschaftsgebiet des römischen Reiches stellten eine ständige Bedrohung dar. Er versprach den Mainzern zum Dank für die freundliche Aufnahme eine Säulenhalle und einen Bogen, die dem Kaiserhaus und dem Jupiter geweiht werden sollten. Da er selber vor Baubeginn verstarb, führten seine Söhne Victorius Ursus und Victorius  Lupus den Auftrag aus. Woher wir das wissen? Das steht in der Inschrift oben auf dem Bogen, der sich am Ernst-Ludwig-Platz 2 neben dem Verwaltungsgebäude des Römisch-Germanischen Zentralmuseums befindet. Es handelt sich allerdings um eine Kopie des Bogens; das Original befindet sich Mittelrheinischen Landesmuseum wenige Schritte entfernt an der Großen Bleiche. Leider ist die hervorragende Sammlung römischer Inschriften, Reliefs und Skulpturen zur Zeit nicht zu besichtigen, da seit kurzem in der Ausstellungshalle der Plenarsaal des Rheinland-pfälzischen Parlamentes  ein provisorisches Zuhause gefunden hat. Der Landtag wird nämlich renoviert.  Das heißt also praktisch: Römersteine raus, Politiker ein. Nur wenige Stücke befinden sich in der Lobby; alle anderen sind ins Depot gelangt.

 Aber zurück zu Dativius Victor: Gefunden wurden die Teile des Bogens um 1900. Sie waren verbaut in den Fundamenten der spätantiken Stadtmauer, die Mainz umgab. Es gelang eine Reihe von Einzelteilen aufzufinden, die eine Rekonstruktion ermöglichten. Links:  Wikipedia , Mainz.de

Gegenüber auf der anderen Seit der Großen Bleiche ist normalerweise die Große Jupiter-Säule, ein weiteres bedeutendes römisches Monument als Rekonstruktion zu besichtigen. Diese ist jedoch z. Zt. zwecks Renovierung abgebaut. 

Mißratene Götter

Nein, damit meine ich nicht die Landespolitiker, die im Gebäude Kaiser-Friedrich-Straße 3, dem Abgeordnetengebäude des Landtages von Rheinland-Pfalz ein- und ausgehen. Bei Ausschachtungsarbeiten an der Ecke Große Bleiche/Bauhofstraße für den Gebäudekomplex wurde ein Töpferofen mit einer vollständigen Ladung von Tonfiguren gefunden. Der Brand der Terrakotten war schiefgegangen und die Töpfer hatte ihn danach komplett aufgegeben, ohne ihn auszuräumen. Die Figuren - es handelt sich um Götter- und Menschendarstellungen - weisen Risse und Abplatzungen auf, die deutlich sichtbar sind. Sowas konnte der Töpferbetrieb bei bestem Willen nicht mehr verkaufen, nicht mal als zweite Wahl. Der Fundort liegt in einem Randbereich der Mainzer Zivilsiedlung am Fuß des Kästrichs, in dem Handwerksbetriebe angesiedelt waren. Das ist kein Zufall, denn einige Betriebe verursachen Lärm, Abgase und Gerüche. Zudem stellen sie eine Brandgefahr dar. Es ist also besser, wenn derartige Werkstätten nicht mitten in der Siedlung liegen. Man kann im Foyer des Gebäudes Kaiser-Friedrich-Str. 3 eine Vitrine mit einer Anzahl der beim Brand beschädigten Tonfiguren besichtigen. Dazu sollte man sich beim Pförtner anmelden. 

Göttinnen im Doppelpack und bleierne Flüche

Für den Tempel der Göttinnen Isis und Mater Magna sollte man sich wirklich Zeit nehmen, denn es ist eine der wichtigsten archäologischen Entdeckungen der letzten Jahre, die zudem hervorragend präsentiert ist. Im Jahr 2000 wurde in der Lotharstrasse ausgeschachtet zum Bau einer Tiefgarage für ein Einkaufszentrum. Dabei kamen Fundamentreste des Tempels zutage. Es bot sich eine der seltenen Gelegenheiten eine solche Anlage  mit modernen Ausgrabungsmethoden zu erforschen. Eine  Vielzahl von  Funden konnte dokumentiert werden, die uns einen einmaligen Einblick in die religiösen Praktiken der Kultanhänger gewähren. Besonders hervorzuheben sind die Täfelchen aus Blei, auf denen Verfluchungen von unliebsamen Mitmenschen und Gebete an die Göttinnen eingraviert sind. Wenn man die Texte liest, dann "menschelt" es gewaltig und man ahnt, welche Dramen sich abgespielt haben mögen. Da werden Nebenbuhlerinnen verflucht oder Vermögensbetrüger den Göttinnen und Dämonen der Unterwelt für Missetaten zur Bestrafung anempfohlen.  In der Einkaufspassage (Römerpassage, Lotharstrasse) befindet sich nun die sog. "Taberna archaeologica", ein kleiner, aber sorgfältig gestalteter Schauraum, in dem man alles über den Tempel und die Funde erfahren kann. Am Empfang begrüssen die ehrenamtlichen und überaus freundlichen MitarbeiterInnen der "Initiative römisches Mainz e. V." die Besucher. Der Eintritt ist frei; allerdings sind Spenden zur Erhaltung und Pflege des kleinen Museums immer willkommen. Geöffnet von 9-18 h, Sonntags geschlossen. 

Mithras

Römer, Mainz, Mithras, Ballplatz, Altäre
Weihealtäre am Ballplatz (Foto: J. Zerres)

Die Entdeckung des Heiligtums des Gottes Mithras am Ballplatz erfolgte 1976 bei Ausschachtungsarbeiten für ein Versicherungsgebäude. Die Sache verlief allerdings weniger glücklich als die Auffindung des Isis- und Magna-Mater-Tempels. Raubgräber plünderten  nachts die Funde aus der Baugrube. Nur teilweise gelangten die Stück wieder zurück. Zwei Weihealtäre (Kopien), die im überdachten Durchgang am Café Lomo aufgestellt sind erinnern noch an das Heiligtum. Ansonsten ist vom Tempel für den persischen Lichtgott, der sich besonders bei Soldaten großer Beliebtheit erfreute nichts mehr zu sehen. 

Links: regionalgeschichte.net

Ein Hauch von Pompeji

Mainz, Römer
Spätantikes Stadttor auf dem Kästrich (Foto: J. Zerres)

Gelangt man nun über die Gaustrasse auf den Kästrich, so sollte man zunächst einen Blick von der Kupferbergterrasse auf die Stadt, den Rhein und die Mainmündung werfen. Etwa an dieser Stelle befand sich die Porta Praetoria, das Haupttor des römischen Legionslagers. Davon ist allerdings nichts mehr zu sehen. Durch den Ausblick über Mainz und das Rheintal versteht man die Vorzüge des Platzes, die die römischen Militärstrategen bewogen hier eine große Militärbasis anzulegen. 

Nach einigen Schritten über den Platz der Wohnanlage gelangt man zu den konservierten Resten des spätantiken Stadttores. Um 360 wurde die Stadt (wie eingangs gesagt) mit einer Schutzmauer umringt. Zum Bauen wurde das Steinmaterial des Legionslagers verwendet. Beachtenswert sind hier die Schwelle mit Torangeln und Klobenlöchern sowie mit Fahrpuren von 1, 90 m Abstand. Die Konservierung und Präsentation des Stadttores war möglich, da sich der Bauherr der 1985 errichteten Wohnanlage bereit erklärte, das ursprünglich hier geplante Gebäude ein Stück weiter westlich zu errichten.

Ein Reitunfall und seine Folgen

Drusus, Römer, Mainz, Eichelstein
Drususmonument auf dem Jakobsberg (Foto: J. Zerres)

Das Leben des Gründers von Mogontiacum  Drusus, des Älteren endete tragisch. Der Stiefsohn des Kaisers Augustus und Oberbehlshaber war 9 v. Chr. ins rechtsrheinische Germanien zu einer militärischen Expedition aufgebrochen, hatte unterwegs einen Reitunfall, bei dem er sich das Bein brach, erlitten und war an den Folgen verstorben. Der Leichnam wurde ins Basislager nach Mainz verbracht und von den Soldaten betrauert. Begraben wurde er dann in Rom. Die Soldaten beschlossen laut dem römischen Schriftsteller Eutrop in Mainz ein Ehrenmal zu errichten und jährlich Gedächtnisfeierlichkeiten bestehend aus Paraden, Opferhandlungen und Theateraufführungen zu seinen Ehren abzuhalten. Der 20 m hohe Klotz aus Gussmauerwerk, der sich heute im Innern der südlichen Spitzbastion der barocken Zitadelle auf dem Jakobsberg befindet, wird in der Forschung als Überrest dieses Ehrenmals angesehen. Das Bauwerk ist so prominent platziert und konnte vom Rhein und von der Stadt aus gesehen werden. Es besaß ursprünglich eine Steinverblendung, die aber in den Jahrhunderten nach den Römern abgerissen und anderweitig verwendet wurde. Eine Rekonstruktionszeichnung, die eine Vorstellung vom ursprünglichen Aussehen gibt, ist auf einer Informationstafel zu sehen. Der Klotz selber ist nur erhalten, da er als Aussichtsturm der neuzeitlichen Festung  diente. Er ist bekannt unter dem Titel Eichelstein oder Drususstein. 

Links: Wikipedia, Mainz.de

So ein Theater

Nur 340 Meter vom Drususstein entfernt vor dem Tor der barocken Zitadelle am Abhang des Jakobsberges liegt das Theater. Das Bühnenhaus, das beim Bau des Südbahnhofes zerstört wurde, hatte eine Breite von 116 m und das Theater fasste ca. 10 000 Zuschauer. Damit handelt es sich um das größte römische Bühnentheater nördlich der Alpen. Die Lage in der Nähe des Drususmonumentes ist sicher kein Zufall, denn in diesem Theater dürften einige der Gedenkveranstaltungen für den verehrten Heerführer stattgefunden haben. Die sichtbaren Ruine stammen aus dem 2./3. Jahrhundert. 

Links:  Hier und hier

Tote und Töpfer in Weisenau

Römer, Gräber, Weisenau
Freiluftvitrine in Weisenau (Foto: J. Zerres)

Vom Drususmonument aus zog sich in römischer Zeit ein Friedhofsareal im Bereich entlang der heutigen Göttelmannstrasse in Richtung des heutigen Stadtteils Weisenau. Dort konnten Brandgräber und ein gut erhaltener Töpferofen gesichert werden, die in einer Freiluftvitrine im Bettelpfad (Ausschilderung als "via sepulcrum Mogontiacensium") besichtigt werden können. Die vergleichsweise gute anschauliche Präsentation lohnt einen Abstecher aus der Innenstadt nach Weisenau.    

Sechs Wracks und ein Fuhrunternehmer

Nachbau eines Truppentransportbootes im Museum für Antike Schiffahrt (Foto: RGZM / Nitzsche)
Nachbau eines Truppentransportbootes im Museum für Antike Schiffahrt (Foto: RGZM / Nitzsche)

An einem nassen, kalten Novemberabend 1981 ereilte den G. Rupprecht, Archäologe in Mainz, ein Telefonanruf. Jemand hatte in der Baugrube für einen Hotelneubau zwischen Rhein- und Lohrstrasse "vernageltes Holz" gesichtet. Rupprecht fuhr zur Baustelle und identifizierte den Fund als Rest eines Wasserfahrzeuges. In der Folgezeit entdeckte man noch vier weitere Schiffswracks. Dendrochronologische Untersuchungen stellten eine spätantike Zeitstellung des Holzes fest. Es handelte sich um die Überreste von Truppentransport- und Patroullienbooten, die der römischen Armee bei der Überwachung und beim Schutz der Rheingrenze gedient hatten. Damals waren die Zeiten unruhig: Der Limes in der Wetterau existierte nicht mehr und das rechtsrheinische Gebiet war von Rom längst aufgegeben worden.  Mainz war wieder Grenzstadt und ständig bedroht von germanischen Überfällen. Die fünf Schiffe zeugen von den Versuchen Roms sich im linksrheinischen Territorium zu behaupten.  Das Unterfangen war aber langfristig  zum Scheitern verurteilt. Die Boote sind wahrscheinlich im Zuge eines Überfalls von den römischen Truppen selbst im Hafenbecken verschrottet worden, damit sie dem Feind nicht nützlich sein könnten. Dank Überdeckung mit Flußschlamm sind die Wracks in großen Teilen erhalten und liefern wertvolle Informationen über die Schiffsbautechnik der Zeit.  Nach der Ausgrabung und Konservierung wurden sie ab 1994 im Museum für Antike Schiffahrt, einem Zweigmuseum des Römisch-Germanischen Zentralmuseum präsentiert. 

Mainz, Römer, Blussus, Museum
Grabstein des Schiffers Blussus und seiner Frau Menimane (Foto: RGZM, Mainz - Original im Landesmuseum Mainz, Inv. S 146.)

Ein sechstes Wrack, das ca. 300 Jahre älter ist, wurde im selben Jahr bei Ausschachtungsarbeiten in der Holzhofstrasse aufgefunden. Es handelt sich dabei um ein Schiff mit einer anderen Zweckbestimmung, nämlich um einen Lastkahn, der die Nutzung des Rheines als Handelsstrasse illustriert. Gleich gegenüber davon befindet sich der Grabstein des Schiffers Blussus  und seiner Familie (als Kopie). Der Grabstein erzählt uns etwas über die frührömische Zeit in Mainz und über das Verhältnis der autochtonen Bevölkerung zu der neuen römischen Kultur. Blussus selber und seine Frau Menimane waren einheimischer Herkunft. Sie scheinen sich aber gut mit den neuen Verhältnissen arrangiert und ihren Nutzen daraus gezogen zu haben. Sie blieben ihrer traditionellen Kultur treu und trugen ihre angestammte Tracht; jedoch adaptieren sie auch die römischen Einflüsse, in dem sie ihrem Sohn Primus einen lateinischen Namen geben, sich einen Grabstein anfertigen lassen und diesen in Latein beschriften lassen. Es enstand  eine Mischung; die einheimische Bevölkerung hat sich also weder vollständig gegen die römischen Einflüsse gewehrt noch hat sie sie vollständig aufgenommen und ihre eigenen Traditionen vergessen. Das Original des Grabsteins befindet sich im Mittelrheinischen  Landesmuseum und ist wegen der Schließung der Steinsammlung nicht zu sehen (s. o.). Das Museum für Antike Schiffahrt sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen und sich viel Zeit für die Dauerausstellung nehmen. Es  ist täglich außer Montag von 10 h bis 18 h geöffnet. Eintritt frei. 

Wasser für die Legion

Ein weiterer kleiner Abstecher aus der Innenstadt führt ins Zahlbachtal. Hier finden sich die Reste der Pfeiler eines Aquäduktes, das um 70 n. Chr. zur Versorgung der Truppen im Legionslager auf dem Kästrich gebaut wurde. Das Wasser wurde von der Quelle im neun Kilometer entfernten Stadtteil Finthen hergeholt. Der Ortsname kommt vom lateinischen "Ad fontes", was "bei den Quellen" bedeutet. Infolinks: Hier und hier

Rechts des Rheins ist auch noch Mainz

Was haben Rom, Orange, Benevent und Mainz-Kastel gemeinsam? Römische Ehrenbögen! Während die Exemplare in Frankreich und Italien noch aufrecht stehen, findet sich in Mainz-Kastel nur noch ein Fundament. Bei Ausschachtungsarbeiten im Jahre 1986 für das Wohnhaus "Große Kirchenstrasse 5-13" wurde es entdeckt. Er überspannte einst die Straße nach Hofheim im Taunus, die aus dem kleine Kastell herausführt. Man kann das Fundament im Keller des Hauses besichtigen. Achtung: Der Ehrenbogen kann nur von April bis Oktober sonntags vormittags von 10.30 h bis 12.30 h oder nach Vereinbarung besucht werden. Der Eintritt ist frei. Wer dann noch nicht genug von den Römern hat, der kann noch das kleine "Museum Castellum", das Kasteler Heimatmuseum in der Reduit besichtigen. In der römischen Abteilung gibt es einige Steindenkmäler und Holzpfähle der römischen Rheinbrücke zu sehen. Es ist ganzjährig geöffnet, allerdings nur sonntags von 10.30 h bis 12.30 h.

Zur Blogparade #Kulttrip: tanjapraske.de 

Interner Link

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Kommentare: 1
  • #1

    Tanja Praske (Montag, 25 Juli 2016 11:06)

    Liebe Jutta,

    was für ein grandioser antiker #KultTrip durchs antike Mainz!!!

    Das klingt so gut und du packst so wunderbare Geschichten mit hinein, dass die Lust, Mainz so zu erkunden, wächst! Bei den aktuellen Geschehnissen ist es eine Wohltat auf vergangene Spuren zu wandeln, die nicht minder brutal und tragisch waren, als jetzt. Aber das ist ein anderes Thema.

    Mich freut es kolossal, dass du dich an deiner ersten Blogparade herangewagt hast - es hat sich für mich mehr als gelohnt - ein dickes Dankeschön dafür!

    Herzlich,
    Tanja