ArchæoZeit-Blog

Berichte aus der Arbeit von ArchaeoZeit und Gedanken rund um Archäologie und Kulturvermittlung

Parforceritt durchs Paradies - Zur Ausstellung: "Iran. Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste" in der Bundeskunsthalle Bonn

Rollsiegel Iran
Umzeichnung eines Rollsiegels an einer Wand der Ausstelllung (Foto: Jutta Zerres)

Wer nicht gerade Vorderasiatische Archäologie studiert hat, dem  dürfte beim Stichwort "Antike Kulturen des Iran" nicht allzu viel einfallen. Man erinnert sich bestenfalls an die Perserkriege, von denen in grauen Vorzeit einmal im Geschichtsunterricht die Rede war.  Die Bonner Ausstellung schließt die Wissenslücke und nimmt den Besucher mit auf einen wahren Parforceritt durch rund 8000 Jahre Kulturgeschichte "zwischen Wasser und Wüste" . Die Reise beginnt im 8. Jahrtausend v. Chr. mit der Sesshaftwerdung des Menschen und endet mit dem Aufstieg der Achämeniden im 1. Jahrtausend v. Chr.  Den Rahmen bilden die naturräumlichen Gegebenheiten des Iran. Das von Gebirgen umschlossene Land zeichnet sich durch landschaftliche Extreme aus: Eisige Gebirge und heiße Wüsten. Dazwischen befinden sich immer wieder Zonen, die günstige Bedingungen für das Leben der Menschen und deren kulturelle Entfaltung boten, z. B. in Tälern, an Rändern der Wüste oder am Ufer des Kaspischen Meeres. Die Abgeschiedenheit sorgte für Schutz vor Eroberungen und begünstigte die Entstehung kultureller Eigenheiten. Die Ausstellung ist das Ergebnis einer der dreieinhalbjährigen Zusammenarbeit der Bundeskunsthalle und des Nationalmuseums des Iran und der Iranian Cultural Heritage, Handicrafts and Tourism Organization. 

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Guck mal, wer da bloggt! (Teil 4) - Der Blog des "MiQua"

Rathaus, Köln, Ausgrabungen, Miqua
Blick auf die Archäologische Zone während der Ausgrabungen im jüdischen Viertel 2014, im Hintergrund das Kölner Rathaus (Foto: R. Arentz)

Als Beobachterin der archäologischen Blogosphäre (und natürlich auch als Köln-Fan) freue ich mich, dass  "MiQua - LVR - Jüdisches Museum im archäologischen Quartier" einen Blog ins Leben gerufen hat. Der Name MiQua für das neue Museum mag für manchen etwas seltsam klingen. Möglicherweise erinnert er auch an die "Mikwe", also an das jüdische Ritualbad, das Teil des mittelalterlichen jüdischen Viertels von Köln war. Die Abkürzung steht aber für "Mitten im Quartier".  Der im Aufbau befindliche Museumskomplex soll das mittelalterliche Judenquartier, das ebenfalls mittelalterliche Goldschmiedeviertel  und das römische Prätorium, den Palast der kaiserlichen Provinzstatthalters, präsentieren. Die Besucher können hier rund 2000 Jahre Stadtgeschichte an einem Ort erleben.

Der Blog macht den Vorgang des Museumsaufbaus sowohl in architektonischer als auch in inhaltlich Sicht transparent. Er ermöglicht  den Bürgern und Touristen bereits vor der offiziellen Eröffnung einen virtuellen Blick vor und hinter die Kulissen.  Die Beiträge stammen vom gesamten Team einschließlich des Gründungsleiters Dr. Thomas Otten sowie von einigen Gastautoren.  

Es gibt sechs Rubriken. In "Ausgegraben" geht es um Funde, Befunde und Ausstellungsobjekte; in "Baugeschehen" gibt es Infos rund um den Bau und unter der Überschrift "Reinschauen" wird über das Museumskonzept, die Ausstellung und über die Arbeit des Teams berichtet. Die Rubrik "Termine" bietet Infos über Vorträge und Führungen.  Der Förderverein "MiQua-Freunde" stellt sich vor unter dem Titel "Mitmachen".  "Unterwegs" berichtet von Tagungen und Ausstellungen anderer Museen.

Der Blog ist in der archäologischen Blogosphäre ein Novum: Nie wurde der Aufbau eines archäologischen Museums in Deutschland auf diese Art nach außen dokumentiert.  Man darf also gespannt sein, was sich dort zukünftig tun wird. Der ArchaeoZeit-Blog bleibt dran...

 

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Das Gesetz der umgekehrten Bedürftigkeit - Wer profitiert von Museumspädagogik?

Pommes sind kein Gemüse (Foto: Pexels via Pixabay.de - Lizenz 00 Public Domain)
Pommes sind kein Gemüse (Foto: Pexels via Pixabay.de - Lizenz 00 Public Domain)

Der Mediziner und Kabarettist Eckart von Hirschhausen berichtet in seinem Buch "Glück kommt selten allein..."  über seine Zeit als Kinderarzt an der Charité in Berlin und von seiner ersten Begegnung mit dem "Gesetz der umgekehrten Bedürftigkeit": "Welche Eltern bringen ihre Kinder pünktlich zu allen Untersuchungen? Die, die sich sowieso schon kümmern. Das sind nicht die Familien, die den Arzt am dringendsten brauchen." (von Hirschhausen 2009, 31). Aufgrund dieser Erfahrung beschloss er Prävention zu machen und medizinisches Wissen zu vermitteln, um einen Beitrag dazu zu leisten, dass  die Leute nicht erst dann zum Arzt kommen, wenn es nicht mehr anderes geht. Er moderierte jahrelang Sendungen zu Themen rund um Gesundheit und Medizin des öffentlich-rechtlichen Fernsehens . Dabei habe er stets brav die Zuschauer zu einer gesunden Lebensweise ermuntert, sprich: Gemüse zu essen, sich regelmäßig  zu bewegen und das Rauchen sein zu lassen. Irgendwann habe er bemerkt, dass diese Botschaften eigentlich an die falsche Adresse gingen.  Gesundheitssendungen würden nämlich im wesentlichen von Personen angesehen, die sowieso gesundheitsbewusst lebten, informiert seien und damit solche  Ermahnungen nicht nötig hätten. Zitat: "Die Raucher, die sich nie von der Fernsehcouch wegbewegen und Pommes für Gemüse halten, schauen selten ARD-Gesundheitsmagazine. Die gucken RTL 2!" (von Hirschhausen 2009, 31).  

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Zwischen lieb und fies - Die Trierer Ausstellungs-Trilogie zu Nero

Nero in Trier
Wer möchte mal mitspielen im kaiserlichen Intriganten-Stadl? Das Stadtmuseum Simeonstift hält Masken für das Besucher-Selfie bereit ( v. l. n. r.): Agrippina Minor, Nero, Seneca, Poppea Sabina und noch mal Nero (Foto: J. Zerres)

Die Nachwelt geht nicht immer fair mit den Protagonisten der Geschichte um. So auch im Falle von Kaiser Nero (37-68). Die Vorstellungen von ihm, die wir alle im Kopf haben, sind überaus schillernd und in vielfacher Hinsicht negativ: Antichrist, Frauenheld, Künstler, Prunksüchtiger, Wahnsinniger, Muttersöhnchen, Machtmensch, Brandstifter, Intrigant, Tyrann, Hedonist, Schöngeist, Visionär, Volksheld, Lustmolch, Exzentriker... Neros schlechter Leumund resultiert aus den Berichte der antiken Autoren Plinius d. J., Tacitus, Cassius Dio und Sueton. Allesamt waren sie Aristokraten und den Angehörigen dieser Gruppe hatte der Herrscher mehrfach übel mitgespielt. So ist es leicht zu verstehen, welcher Groll hinter der Negativ-PR steckt. Auch die frühchristliche Propaganda leistete ihren Beitrag, um Neros Ruf endgültig zu verderben. Aber was ist wirklich wahr, was ist gelogen? Die Antworten auf diese Fragen gibt es derzeit  in Trier. Hier wird in einer dreiteiligen Ausstellung das Nero-Bild im Spiegel neuerer altertumskundlicher Forschung und künstlerischer Reflexion einer Generalüberprüfung und Feinjustierung unterzogen. 

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MUTige Frauen - ArchaeoZeit beim Speeddating

Ausbeute vom Speeddating - Visitenkarten Mainzer Unternehmerinnen (Foto: J. Zerres)
Ausbeute vom Speeddating - Visitenkarten Mainzer Unternehmerinnen (Foto: J. Zerres)

Gestern Abend fand im "Haus des Deutschen Weines", einem Lokal  in der Mainzer Innenstadt das erste  "Speeddating" des MUT-Mainzer Unternehmerinnentreffs e. V. statt. In diesem Verein haben sich Unternehmerinnen, selbständig und freiberuflich tätige Frauen aus unterschiedlichsten Branchen und Berufen aus Mainz und Umgebung zusammengeschlossen. "MUT" versteht sich als Plattform für den gegenseitigen Austausch bei Fragen rund um die Bewältigung der alltäglichen Anforderungen der Selbständigkeit. Der Name ist Programm. Mut-Frauen sind mutig und machen sich Mut. Einmal pro Monat finden Treffen statt. Dabei werden Vorträge gehalten, Feste gefeiert, es finden kulturelle Events wie Führungen statt oder es wird einfach nur einem bei guten Essen geplauscht und genetzwerkt. Beim gestrigen "Speeddating" ging es nun konkret darum, andere Teilnehmerinnen erstmals oder besser kennen zu lernen. Dreißig Frauen saßen sich an Tischen und hatten jeweils drei Minuten Zeit sich dem Gegenüber vorzustellen, Austausch von Visitenkarten inklusive (s. Foto). Da traf also die Malermeisterin auf die Psychotherapeutin, die Werbetexterin auf die Architektin, die Mediengestalterin auf die Rechtsanwältin oder eben die Archäologin... Als solche ist man natürlich in einer solchen Runde der bunte Hund ( Die KollegInnen kennen das.). Nach Ablauf der Zeit wurden die Plätze gewechselt und die Gespräche von Neuem begonnen. Es war ein interessanter Abend, der mir viele neue und überraschende Perspektiven auf das Berufsleben anderer Menschen lieferte und bei dem ich nützliche und vielfältige Kontakte geknüpft habe .  

Mehr Info über MUT gibt's hier

 

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Das römische Mainz für Fortgeschrittene - Ein Beitrag zur Blogparade: Mein Kulturtrip im Sommer für Dich - #KultTrip

Mainz, Römer
Zaun des Baugeländes des neuen Archäologischen Zentrums in Mainz (Foto: J. Zerres)

Zu einem gelungenen Kulturtrip gehört für mich unbedingt der Besuch von archäologischen Stätten und Museen. Für uns Archäologen gilt nämlich: Sightseeing is siteseeing.  Wir kommen halt nicht raus aus unserer Haut und können es nicht lassen auch in der Freizeit Dinge anzuschauen, die mit dem Beruf zu tun haben.  So sind wir halt...

Das römische Mainz verdient einen Blick oder besser gleich mehrere! Es gibt nämlich im Vergleich  mit vielen anderen Orten mit römischen Wurzeln eine ganze Menge zu sehen. Vieles davon ist ungewöhnlich, einmalig. Die Stätten geben eine Idee von der Bedeutung und Größe der einstigen Garnisons- und Provinzhauptstadt. Meines Erachtens muss Mainz im puncto "Bedeutende Zeugnisse der Römerzeit" den Vergleich mit Trier nicht scheuen. Allerdings sind die hiesigen archäologischen Stätten bis auf wenige Ausnahmen - im Gegensatz zu den Trierer Monumenten -  alles andere als gut präsentiert und für den Tourismus aufbereitet. Mit dem Aufstellen von Wegweisern oder Informationstafeln ist man hier recht zurückhaltend. Zuweilen wirken einige Stätten etwas vernachlässigt und verwildert. Dabei ließe sich in Sachen Attraktivität für Touristen (und Einheimische) ein ganze Menge machen. Als Fan digitaler Medien  könnte ich mir z. B. eine App vorstellen, mit der die Besucher auf Besichtigungstour gehen könnten. Ich kann bei bestem Willen nicht alle Informationen zum römischen Mainz hier in diesen Bericht packen. Das würde den Rahmen sprengen. Es sind aber weitergehenden Informationen zu einzelnen Besichtigungspunkten verlinkt. Es empfiehlt sich also mit dem Smartphone/Tablet unterwegs zu sein und an Ort und Stelle weitere Infos abzurufen.

Links: Hie

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"Ablativus absolutus" ist kein Toilettenreiniger! - Ein museumspädagogischer Workshop zur lateinischen Epigraphik für SchülerInnen

Inschriften Römer Latein Epigraphik
Inschriftenwand in einer Kirche in Rom (Foto: pjes via Pixabay.de)

Lateinische Inschriften? Iiiihhhh!!!!  Aber allen Lateinmuffeln, die so denken, sei versichert: Es gibt Hoffnung, denn die Sache ist halb so wild!  Der Schatz an Vokabeln, der hierfür benötigt wird, ist noch deutlich geringer als der, den man für die Lektüre von Cäsars berühmt-berüchtigtem "De bello gallico" auf der Pfanne haben muss. Auch das Auftreten von perfiden grammatischen Gemeinheiten und von Satzungetümen à la Cicero sind nicht zu erwarten. Was die Sache - zugegebenermaßen - dann doch etwas ungemütlich macht, sind die vielen Abkürzungen. Aber: Die Generation "Smartphone" ist dabei klar im Vorteil, denn auch in der heutigen SMS- und  Chatsprache gibt es das Phänomen der Abkürzungen, die aus dem selben Grund erfunden wurden wie die Abkürzungen auf den Inschriftensteinen der Römer: Platzmangel. Man kann eine Reihe von Informationen auf der begrenzten Fläche eines Steines bzw. in einer SMS mit limitierter Zeichenzahl unterbringen, wenn man allseits bekannte, immer wiederkehrende Worte und Formeln abkürzt. Hier einige Kostproben:

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Unterwegs mit ArchaeoZeit - Eine Exkursion in den Archäologischen Park Xanten

Xanten, Archäologie, Museum
Römerfans im APX

"Lass uns doch mal nach Xanten fahren!", meinte meine Freundin Regina vor einiger Zeit. Kein Problem! Schließlich handelt es sich um eines meiner Leib- und Magenthemen in der Provinzialrömischen Archäologie, denn ich habe über die Ausgrabungen, die zur Rekonstruktion des Hafentempels führten meine Doktorarbeit geschrieben. 

Regina sammelte ein Grüppchen munterer und wissensdurstiger Römerfans um sich und los ging's. Der Wettergott schien allerdings nur bedingt ein Xanten-Fan zu sein und überschüttet uns zeitweise heftig. Aber echte Römerfans lassen sich durch nichts abschrecken!

Zunächst besichtigten wir das RömerMuseum, das sich nicht nur durch seine spektakuläre Architektur auszeichnet, sondern auch durch eine moderne Ausstellungskonzeption. Diese machte es mir leicht die Geschichte der römischen Besiedlung von Xanten kompakt und übersichtlich zu vermitteln. 

Nach dem fast zweistündigem Kulturgenuss stärkten wir uns im nahegelegen Café. Mit dem neugewonnenen Wissen starteten wir danach den Rundgang durch den Park, der mit seinen zahlreichen Rekonstruktionen alleine schon ein nachmittagfüllendes Programm bietet. An diesem Wochenende (25./26.6.2016) fand zudem noch das alljährliche Römerfest "Schwerter, Brot und Spiele" im Archäologischen Park statt, bei dem eine Reihe von Reenactment-Gruppen aus verschiedenen Ländern auftreten. Legionäre marschieren auf, zeigen Lagerleben und Kampftechniken, Handwerker lassen sich über die Schulter gucken, Gladiatoren kämpfen in der Arena und Köstlichkeiten aus der Römerküche können probiert werden. Es gibt zahlreiche Mitmachaktionen für Klein und Groß, die die römische Alltagskultur lebendig werden lassen. Die Veranstaltung mit ca. 400 Mitwirkenden erwies sich als ein echter Mehrwert für die Exkursion. Ein Besuch des Xantener Domes und ein leckeres Abendessen beim Italiener in der Innenstadt rundeten diesen erlebnisreichen Tag ab. 

 

Interner Link

Weitere Info: www.lvr.apx.de

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