Archiv 2016

Traum und Mythos - Der Beginn von ArchaeoZeit

Eine ausgeschlafene Idee. (Foto: Wokandapix via pixabay.de, Lizenz: CC0)
Eine ausgeschlafene Idee. (Foto: Wokandapix via pixabay.de, Lizenz: CC0)

Wer etwas auf sich hält, pflegt einen Gründungsmythos: Rom hat Romulus und Remus, Karthago hat Dido und das Rinderfell, Apple Steve Jobs und eine Garage und Facebook einen liebeskummergeplagten Nerd. Und ArchæoZeit? Es beginnt mit einem Traum und mir. In einer lauen Sommernacht des Jahres 2015 träumte ich (kein Witz!), dass ich eine Firma für archäologische Dienstleistungen gründe. Auch der Name und der Slogan wurden mir von Hypnos und seinen Kindern, den Göttern des Traums praktischerweise gleich mitgeliefert: "ArchæoZeit" und "Wir haben Zeit für Archäologie". Frisch erwacht stürzte ich zum Computer, um den Namen zu googeln. Der könnte ja schon anderweitig vergeben sein: Negativ! Also positiv für mich. Auch die Suche in den Datenbanken des Patentamtes München und des Handelsregisters ergab keinen Hinweis. Der Name ist also frei.  Das "Wir" im Slogan ist übrigens in die Zukunft gedacht. Eventuell gibt es irgendwann auch mal Mitarbeiter, sofern meine Firma so erfolgreich wird wie Rom, Karthago (nun ja: zeitweise), Apple und Facebook. Always think big ! ;-)

3 Kommentare

Was hat Rüsselsheim mit einem Rüssel zu tun?  - Zur Neugestaltung der Frühmittelalter-Abteilung des Stadt- und Industriemuseums Rüsselsheim (Teil 1)

Woher kommt der Name Rüsselsheim? (Foto: FeeLoona via Pixabay.de, Lizenz: CC0 Public Domain)
Woher kommt der Name Rüsselsheim? (Foto: FeeLoona via Pixabay.de, Lizenz: CC0 Public Domain)

Kurz gesagt: Nix! Der Ortsname hat rein gar nichts mit den prägnanten Nasenorganen von Dickhäutern zu tun und für alle Scherzkekse und Freunde des schlüpfrigen Humors sei außerdem noch bemerkt: Rüsselsheim ist auch keine Umschreibung einer Herrenunterhose. Damit hätten wir das auch geklärt.

 

Woher kommt der Name also? Er leitet sich von "Rucile(n)sheim" ab, was soviel bedeutet wie Heim/Siedlung eines (gewissen Herrn) Rucilin. Bei diesem dürfte es sich wohl um den Ortsgründer handeln. Die älteste Erwähnung von Rucile(n)sheim findet man im sogenannten "Lorscher Urbar" aus der Zeit zwischen 834 und 850. Das ist eine Auflistung von Abgaben und Diensten, die Bauern für den König leisten mussten. Die Endung "-heim" bei Ortsnamen, die besonders in der Rhein-Main-Region häufig auftritt, verweist darauf, dass die Ursprünge der kleinen Stadt am Unterlauf des Mains in der Zeit der Frankenherrschaft (Ende 5. Jahrhundert bis ins 8. Jahrhundert) liegen.

mehr lesen 0 Kommentare

Guck mal, wer da bloggt! (Teil 1) - Die Blogosphäre archäologischer Museen unter der Lupe

Bloggende Archäologie-Museen? (Foto: Florian Klauer via stocksnap.io)
Bloggende Archäologie-Museen? (Foto: Florian Klauer via stocksnap.io)

Was mich während der Gestaltung der neuen Frühmittelalter-Abteilung im Rüsselsheimer Museum noch bewegte, war die Frage, ob über den Entstehungsprozess einer archäologischen Ausstellungen bereits einmal in einem Blog berichtet wurde. Schließlich ist die Verwirklichung eines Ausstellungsprojektes ein spannender Vorgang, der sehr kreativ ist, der aber auch mit Irrungen und Wirrungen einhergeht. Er verlangt von allen Beteiligten viel Sitzfleisch, eine große Bereitschaft zur Kommunikation bis hin zur Streitlust sowie Entscheidungsfreudigkeit. Es müssen Themen gefunden, Konzepte erstellt, Objekte ausgewählt, Recherchen nach Ausstellungsstücken und Leihanfragen gemacht, die Präsentation und die Ausstellungslandschaft geplant sowie Texte für die Ausstellung und den Katalog verfasst werden. Über allem stehen die Fragen: Was will man erzählen und wie will man es erzählen? Was interessiert die Besucher/innen? Wie kann man die Ausstellung möglichst attraktiv und ansprechend gestalten?

mehr lesen 5 Kommentare

Guck mal, wer da bloggt! (Teil 2) - Die Blogosphäre der Bodendenkmalpflege unter der Lupe

Bloggende Bodendenkmalpflege (Foto: yourschantz via pixabay.de)
Bloggende Bodendenkmalpflege (Foto: yourschantz via pixabay.de)

Nachdem ich im letzten Beitrag die Blogaktivitäten der archäologischen Museen vorgestellt habe, möchte ich nun die der deutschen Bodendenkmalpflegeämter näher beleuchten. Das Betreiben einer solchen Plattform (und sonstiger Social Media-Auftritte) zur Selbstdarstellung bildet ein niederschwelliges Angebot für Bürger-/innen, um sich über die Aufgaben, Tätigkeiten, Fragen bzw. Probleme des denkmalpflegerischen Berufsalltags zu informieren. Folgende Blogs sind Teil der Öffentlichkeitsarbeit und der Webpräsenz von Ämtern für Bodendenkmalpflege:

mehr lesen 2 Kommentare

Guck mal, wer da bloggt ! (Teil 3) - Die Blogosphäre der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger unter der Lupe

Bloggen als ehrenamtliche/r Bodendenkmalpfleger/in (Foto: wikimediaimages via pixabay.de)
Bloggen als ehrenamtliche/r Bodendenkmalpfleger/in (Foto: wikimediaimages via pixabay.de)

Jürgen Krakor, ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger in Mecklenburg-Vorpommern, machte mich nach der Veröffentlichung des 2. Teils der kleinen Serie dankenswerter Weise auf die Seite www.bodendenkmalpfleger.de aufmerksam. Dieses gab mir den Anlass weiter die archäologische Blogosphäre zu betrachten und zwar nun im Hinblick auf die Aktivitäten von Laien und Ehrenamtlichen. Gemeint sind hiermit Personen, die ihrem Interesse an Archäologie und Geschichte auf legalem Wege nachgehen, also mit den Denkmalämtern zusammenarbeiten, eine Nachforschungsgenehmigung besitzen oder in Vereinen tätig sind.

Von einer Aufnahme in die Liste sind dagegen Personen ausgenommen, die weniger von wirklichem Interesse an der Geschichte und Archäologie motiviert, sondern vielmehr vom "Kick des Findens" getrieben sind. Immer wieder werden von diesen gesetzliche Bestimmungen verletzt, Fundstellen undokumentiert vernichtet und somit die Erforschung von wissenschaftlichen Fragestellungen unmöglich gemacht. 

mehr lesen 3 Kommentare

Noch Luft nach oben - Archäologische Museen im Social Web

Frühform eines sozialen Netzwerkes ? (Foto: blickpixel via pixabay.de)
Frühform eines sozialen Netzwerkes ? (Foto: blickpixel via pixabay.de)

Am 3. März dieses Jahres veröffentlichte der "Standard" in seinem Online-Angebot einen Artikel über die Social-Media-Nutzung Wiener Museen. Die Bilanz fällt dabei positiv aus. Professionelles Marketing im Internet sei für die Kulturinstitutionen mittlerweile ein unverzichtbares Instrument der Öffentlichkeitsarbeit, das aber nicht "nebenher erledigt" werden könne. Der Erfolg sei darauf zurückzuführen, dass Geld investiert und die Angelegenheit in professionelle Hände gelegt worden sei. Die Zahlen der Facebook-Likes, Twitter-Follower und Instagram-Abonnenten von Häuser wie der Albertina oder des Kunsthistorischen Museums müssen den Vergleich zu den Mengen der realen Besucher nicht scheuen. Auch aus dem angelsächsischen Bereich werden ähnliche Erfolge berichtet.

mehr lesen 2 Kommentare

Eine Gussform als Grabbeigabe - Zur Neugestaltung der Frühmittelalter-Abteilung des Stadt- und Industriemuseums Rüsselsheim (Teil 2)

Zweiteilige Gussform aus dem Fundarchiv des Rüsselsheimer Museums (Foto: H. Fuchs, Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim)
Zweiteilige Gussform aus dem Fundarchiv des Rüsselsheimer Museums (Foto: H. Fuchs, Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim)

Man soll ja bloß nicht glauben, dass Archäologen permanent neue Ausgrabungen durchführen müssen, um den Forschungsstand zu erweitern. Es reicht oft schon völlig aus die Fundarchive von Museen oder der Bodendenkmalpflege zu sichten. Dort ruhen viele Objekte, die häufig kaum bekannt oder gar abschließend wissenschaftlich ausgewertet sind. Zuweilen kann man auf diesem Wege ungeahnte Entdeckungen machen. Auf ein solches Stück stieß ich während meiner Arbeit an der Neukonzeption der Frühmittelalter-Abteilung des Museums Rüsselsheim. 

Im Frühjahr 2014 ging ich ins Museumsarchiv, um mir einen allgemeinen Überblick über den Bestand und den Zustand der Objekte zu verschaffen. Welche Stücke könnte man wohl in der neuen Dauerausstellung präsentieren und was kann man thematisch mit ihnen erzählen? In zahlreichen kleinen und großen Pappschachteln sorgsam verpackt fand ich die Gegenstände, die im 6. und 7. Jahrhundert als Beigaben in Gräber der Einwohner der Siedlungen in und um Rüsselsheim gelegt worden waren: Knickwandtöpfe, Fibeln, Ringe, Gürtelschnallen und -beschläge, Messer, Glasgefäße, Perlen, Spinnwirtel, Kämme, Waffen usw.

mehr lesen 1 Kommentare

Das römische Mainz für Fortgeschrittene - Ein Beitrag zur Blogparade: Mein Kulturtrip im Sommer für Dich - #KultTrip

Mainz, Römer
Zaun des Baugeländes des neuen Archäologischen Zentrums in Mainz (Foto: J. Zerres)

Zu einem gelungenen Kulturtrip gehört für mich unbedingt der Besuch von archäologischen Stätten und Museen. Für uns Archäologen gilt nämlich: Sightseeing is siteseeing.  Wir kommen halt nicht raus aus unserer Haut und können es nicht lassen auch in der Freizeit Dinge anzuschauen, die mit dem Beruf zu tun haben.  So sind wir halt...

Das römische Mainz verdient einen Blick oder besser gleich mehrere! Es gibt nämlich im Vergleich  mit vielen anderen Orten mit römischen Wurzeln eine ganze Menge zu sehen. Vieles davon ist ungewöhnlich, einmalig. Die Stätten geben eine Idee von der Bedeutung und Größe der einstigen Garnisons- und Provinzhauptstadt. Meines Erachtens muss Mainz im puncto "Bedeutende Zeugnisse der Römerzeit" den Vergleich mit Trier nicht scheuen. Allerdings sind die hiesigen archäologischen Stätten bis auf wenige Ausnahmen - im Gegensatz zu den Trierer Monumenten -  alles andere als gut präsentiert und für den Tourismus aufbereitet. Mit dem Aufstellen von Wegweisern oder Informationstafeln ist man hier recht zurückhaltend. Zuweilen wirken einige Stätten etwas vernachlässigt und verwildert. Dabei ließe sich in Sachen Attraktivität für Touristen (und Einheimische) ein ganze Menge machen. Als Fan digitaler Medien  könnte ich mir z. B. eine App vorstellen, mit der die Besucher auf Besichtigungstour gehen könnten. Ich kann bei bestem Willen nicht alle Informationen zum römischen Mainz hier in diesen Bericht packen. Das würde den Rahmen sprengen. Es sind aber weitergehenden Informationen zu einzelnen Besichtigungspunkten verlinkt. Es empfiehlt sich also mit dem Smartphone/Tablet unterwegs zu sein und an Ort und Stelle weitere Infos abzurufen.

Links: Hie

mehr lesen 1 Kommentare

Zwischen lieb und fies - Die Trierer Ausstellungs-Trilogie zu Nero

Nero in Trier
Wer möchte mal mitspielen im kaiserlichen Intriganten-Stadl? Das Stadtmuseum Simeonstift hält Masken für das Besucher-Selfie bereit ( v. l. n. r.): Agrippina Minor, Nero, Seneca, Poppea Sabina und noch mal Nero (Foto: J. Zerres)

Die Nachwelt geht nicht immer fair mit den Protagonisten der Geschichte um. So auch im Falle von Kaiser Nero (37-68). Die Vorstellungen von ihm, die wir alle im Kopf haben, sind überaus schillernd und in vielfacher Hinsicht negativ: Antichrist, Frauenheld, Künstler, Prunksüchtiger, Wahnsinniger, Muttersöhnchen, Machtmensch, Brandstifter, Intrigant, Tyrann, Hedonist, Schöngeist, Visionär, Volksheld, Lustmolch, Exzentriker... Neros schlechter Leumund resultiert aus den Berichte der antiken Autoren Plinius d. J., Tacitus, Cassius Dio und Sueton. Allesamt waren sie Aristokraten und den Angehörigen dieser Gruppe hatte der Herrscher mehrfach übel mitgespielt. So ist es leicht zu verstehen, welcher Groll hinter der Negativ-PR steckt. Auch die frühchristliche Propaganda leistete ihren Beitrag, um Neros Ruf endgültig zu verderben. Aber was ist wirklich wahr, was ist gelogen? Die Antworten auf diese Fragen gibt es derzeit  in Trier. Hier wird in einer dreiteiligen Ausstellung das Nero-Bild im Spiegel neuerer altertumskundlicher Forschung und künstlerischer Reflexion einer Generalüberprüfung und Feinjustierung unterzogen. 

mehr lesen 0 Kommentare