Archiv 2017

Das Gesetz der umgekehrten Bedürftigkeit - Wer profitiert von Museumspädagogik?

Pommes sind kein Gemüse (Foto: Pexels via Pixabay.de - Lizenz 00 Public Domain)
Pommes sind kein Gemüse (Foto: Pexels via Pixabay.de - Lizenz 00 Public Domain)

Der Mediziner und Kabarettist Eckart von Hirschhausen berichtet in seinem Buch "Glück kommt selten allein..."  über seine Zeit als Kinderarzt an der Charité in Berlin und von seiner ersten Begegnung mit dem "Gesetz der umgekehrten Bedürftigkeit": "Welche Eltern bringen ihre Kinder pünktlich zu allen Untersuchungen? Die, die sich sowieso schon kümmern. Das sind nicht die Familien, die den Arzt am dringendsten brauchen." (von Hirschhausen 2009, 31). Aufgrund dieser Erfahrung beschloss er Prävention zu machen und medizinisches Wissen zu vermitteln, um einen Beitrag dazu zu leisten, dass  die Leute nicht erst dann zum Arzt kommen, wenn es nicht mehr anderes geht. Er moderierte jahrelang Sendungen zu Themen rund um Gesundheit und Medizin des öffentlich-rechtlichen Fernsehens . Dabei habe er stets brav die Zuschauer zu einer gesunden Lebensweise ermuntert, sprich: Gemüse zu essen, sich regelmäßig  zu bewegen und das Rauchen sein zu lassen. Irgendwann habe er bemerkt, dass diese Botschaften eigentlich an die falsche Adresse gingen.  Gesundheitssendungen würden nämlich im wesentlichen von Personen angesehen, die sowieso gesundheitsbewusst lebten, informiert seien und damit solche  Ermahnungen nicht nötig hätten. Zitat: "Die Raucher, die sich nie von der Fernsehcouch wegbewegen und Pommes für Gemüse halten, schauen selten ARD-Gesundheitsmagazine. Die gucken RTL 2!" (von Hirschhausen 2009, 31).  

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Guck mal, wer da bloggt! (Teil 4) - Der Blog des "MiQua"

Rathaus, Köln, Ausgrabungen, Miqua
Blick auf die Archäologische Zone während der Ausgrabungen im jüdischen Viertel 2014, im Hintergrund das Kölner Rathaus (Foto: R. Arentz)

Als Beobachterin der archäologischen Blogosphäre (und natürlich auch als Köln-Fan) freue ich mich, dass  "MiQua - LVR - Jüdisches Museum im archäologischen Quartier" einen Blog ins Leben gerufen hat. Der Name MiQua für das neue Museum mag für manchen etwas seltsam klingen. Möglicherweise erinnert er auch an die "Mikwe", also an das jüdische Ritualbad, das Teil des mittelalterlichen jüdischen Viertels von Köln war. Die Abkürzung steht aber für "Mitten im Quartier".  Der im Aufbau befindliche Museumskomplex soll das mittelalterliche Judenquartier, das ebenfalls mittelalterliche Goldschmiedeviertel  und das römische Prätorium, den Palast der kaiserlichen Provinzstatthalters, präsentieren. Die Besucher können hier rund 2000 Jahre Stadtgeschichte an einem Ort erleben.

Der Blog macht den Vorgang des Museumsaufbaus sowohl in architektonischer als auch in inhaltlich Sicht transparent. Er ermöglicht  den Bürgern und Touristen bereits vor der offiziellen Eröffnung einen virtuellen Blick vor und hinter die Kulissen.  Die Beiträge stammen vom gesamten Team einschließlich des Gründungsleiters Dr. Thomas Otten sowie von einigen Gastautoren.  

Es gibt sechs Rubriken. In "Ausgegraben" geht es um Funde, Befunde und Ausstellungsobjekte; in "Baugeschehen" gibt es Infos rund um den Bau und unter der Überschrift "Reinschauen" wird über das Museumskonzept, die Ausstellung und über die Arbeit des Teams berichtet. Die Rubrik "Termine" bietet Infos über Vorträge und Führungen.  Der Förderverein "MiQua-Freunde" stellt sich vor unter dem Titel "Mitmachen".  "Unterwegs" berichtet von Tagungen und Ausstellungen anderer Museen.

Der Blog ist in der archäologischen Blogosphäre ein Novum: Nie wurde der Aufbau eines archäologischen Museums in Deutschland auf diese Art nach außen dokumentiert.  Man darf also gespannt sein, was sich dort zukünftig tun wird. Der ArchaeoZeit-Blog bleibt dran...

 

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Parforceritt durchs Paradies - Zur Ausstellung: "Iran. Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste" in der Bundeskunsthalle Bonn

Rollsiegel Iran
Umzeichnung eines Rollsiegels an einer Wand der Ausstelllung (Foto: Jutta Zerres)

Wer nicht gerade Vorderasiatische Archäologie studiert hat, dem  dürfte beim Stichwort "Antike Kulturen des Iran" nicht allzu viel einfallen. Man erinnert sich bestenfalls an die Perserkriege, von denen in grauen Vorzeit einmal im Geschichtsunterricht die Rede war.  Die Bonner Ausstellung schließt die Wissenslücke und nimmt den Besucher mit auf einen wahren Parforceritt durch rund 8000 Jahre Kulturgeschichte "zwischen Wasser und Wüste" . Die Reise beginnt im 8. Jahrtausend v. Chr. mit der Sesshaftwerdung des Menschen und endet mit dem Aufstieg der Achämeniden im 1. Jahrtausend v. Chr.  Den Rahmen bilden die naturräumlichen Gegebenheiten des Iran. Das von Gebirgen umschlossene Land zeichnet sich durch landschaftliche Extreme aus: Eisige Gebirge und heiße Wüsten. Dazwischen befinden sich immer wieder Zonen, die günstige Bedingungen für das Leben der Menschen und deren kulturelle Entfaltung boten, z. B. in Tälern, an Rändern der Wüste oder am Ufer des Kaspischen Meeres. Die Abgeschiedenheit sorgte für Schutz vor Eroberungen und begünstigte die Entstehung kultureller Eigenheiten. Die Ausstellung ist das Ergebnis einer der dreieinhalbjährigen Zusammenarbeit der Bundeskunsthalle und des Nationalmuseums des Iran und der Iranian Cultural Heritage, Handicrafts and Tourism Organization. 

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Lucius Poblicius und die große Kirche gegenüber von McDonald's - Ein Beitrag zur Blogparade: "Mein Kulturblick!“ #KultBlick

Köln, museum, Dom, Gotik, Roncalliplatz
Roncalliplatz mit Dom und dem Römisch-Germanischen Museum (Foto: R. Arentz)

Da ruft ein archäologisches Museum zur Blogparade auf und bisher ist kein Beitrag aus der Feder eines Archäologen/einer Archäologin bzw. einer Institution dabei. Das ändere ich jetzt mal. Mein #kultblick ist - wie kann es anders sein - ein archäologischer.  Als ich den Aufruf zur Blogparade las, kamen mir spontan Kindheitserlebnisse in den Sinn, die meinen Blick auf Kultur, sprich: Archäologie entscheidend geprägt haben. Dabei spielen mein Vater, die Stadt Köln mit ihrer berühmten "großen Kirche gegenüber von Mc Donald's"  und das Römisch-Germanische Museum eine zentrale Rolle. In diesem Beitrag geht es um den gerade entdeckten Blick auf Kultur und um das, was das Erwachsen werden und Professionalisierung der Perspektive verändert hat. Es geht also um Entdecktes, Verlorenes, Wiedergefundenes oder Gewandeltes.

 

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