Ausstellung

Naumachie - Die Inszenierung der ruhmreichen Vergangenheit. Ein Beitrag zur Blogparade #DHMMeer

"La naumaquiao" (Öl auf Leinwand). So stellte sich der spanische Maler Ulpiano Checa eine inszenierte Seeschlacht im Amphitheater vor. Foto: Wikimedia Commons, gemeinfrei.
"La naumaquiao" (Öl auf Leinwand). So stellte sich der spanische Maler Ulpiano Checa eine inszenierte Seeschlacht im Amphitheater vor. Foto: Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Das Meer und die Römer - dieses Thema alleine liefert schon eine unüberschaubare Fülle von Stoff zu #DHMMeer. Die Zahl der Implikationen würde schon eine eigene Blogparade rechtfertigen. Schließlich reichte das Imperium romanum in seiner größten Ausdehnung 117 n. Chr. vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer und von der Nordsee bis zum Mittelmeer. Letzteres nannten die Römer "mare nostrum", unser Meer, da es vom römisch beherrschten Gebiet  vollständig umschlossen wurde. 

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Parforceritt durchs Paradies - Zur Ausstellung: "Iran. Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste" in der Bundeskunsthalle Bonn

Rollsiegel Iran
Umzeichnung eines Rollsiegels an einer Wand der Ausstelllung (Foto: Jutta Zerres)

Wer nicht gerade Vorderasiatische Archäologie studiert hat, dem  dürfte beim Stichwort "Antike Kulturen des Iran" nicht allzu viel einfallen. Man erinnert sich bestenfalls an die Perserkriege, von denen in grauen Vorzeit einmal im Geschichtsunterricht die Rede war.  Die Bonner Ausstellung schließt die Wissenslücke und nimmt den Besucher mit auf einen wahren Parforceritt durch rund 8000 Jahre Kulturgeschichte "zwischen Wasser und Wüste" . Die Reise beginnt im 8. Jahrtausend v. Chr. mit der Sesshaftwerdung des Menschen und endet mit dem Aufstieg der Achämeniden im 1. Jahrtausend v. Chr.  Den Rahmen bilden die naturräumlichen Gegebenheiten des Iran. Das von Gebirgen umschlossene Land zeichnet sich durch landschaftliche Extreme aus: Eisige Gebirge und heiße Wüsten. Dazwischen befinden sich immer wieder Zonen, die günstige Bedingungen für das Leben der Menschen und deren kulturelle Entfaltung boten, z. B. in Tälern, an Rändern der Wüste oder am Ufer des Kaspischen Meeres. Die Abgeschiedenheit sorgte für Schutz vor Eroberungen und begünstigte die Entstehung kultureller Eigenheiten. Die Ausstellung ist das Ergebnis einer der dreieinhalbjährigen Zusammenarbeit der Bundeskunsthalle und des Nationalmuseums des Iran und der Iranian Cultural Heritage, Handicrafts and Tourism Organization. 

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Zwischen lieb und fies - Die Trierer Ausstellungs-Trilogie zu Nero

Nero in Trier
Wer möchte mal mitspielen im kaiserlichen Intriganten-Stadl? Das Stadtmuseum Simeonstift hält Masken für das Besucher-Selfie bereit ( v. l. n. r.): Agrippina Minor, Nero, Seneca, Poppea Sabina und noch mal Nero (Foto: J. Zerres)

Die Nachwelt geht nicht immer fair mit den Protagonisten der Geschichte um. So auch im Falle von Kaiser Nero (37-68). Die Vorstellungen von ihm, die wir alle im Kopf haben, sind überaus schillernd und in vielfacher Hinsicht negativ: Antichrist, Frauenheld, Künstler, Prunksüchtiger, Wahnsinniger, Muttersöhnchen, Machtmensch, Brandstifter, Intrigant, Tyrann, Hedonist, Schöngeist, Visionär, Volksheld, Lustmolch, Exzentriker... Neros schlechter Leumund resultiert aus den Berichte der antiken Autoren Plinius d. J., Tacitus, Cassius Dio und Sueton. Allesamt waren sie Aristokraten und den Angehörigen dieser Gruppe hatte der Herrscher mehrfach übel mitgespielt. So ist es leicht zu verstehen, welcher Groll hinter der Negativ-PR steckt. Auch die frühchristliche Propaganda leistete ihren Beitrag, um Neros Ruf endgültig zu verderben. Aber was ist wirklich wahr, was ist gelogen? Die Antworten auf diese Fragen gibt es derzeit  in Trier. Hier wird in einer dreiteiligen Ausstellung das Nero-Bild im Spiegel neuerer altertumskundlicher Forschung und künstlerischer Reflexion einer Generalüberprüfung und Feinjustierung unterzogen. 

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Eine Gussform als Grabbeigabe - Zur Neugestaltung der Frühmittelalter-Abteilung des Stadt- und Industriemuseums Rüsselsheim (Teil 2)

Zweiteilige Gussform aus dem Fundarchiv des Rüsselsheimer Museums (Foto: H. Fuchs, Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim)
Zweiteilige Gussform aus dem Fundarchiv des Rüsselsheimer Museums (Foto: H. Fuchs, Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim)

Man soll ja bloß nicht glauben, dass Archäologen permanent neue Ausgrabungen durchführen müssen, um den Forschungsstand zu erweitern. Es reicht oft schon völlig aus die Fundarchive von Museen oder der Bodendenkmalpflege zu sichten. Dort ruhen viele Objekte, die häufig kaum bekannt oder gar abschließend wissenschaftlich ausgewertet sind. Zuweilen kann man auf diesem Wege ungeahnte Entdeckungen machen. Auf ein solches Stück stieß ich während meiner Arbeit an der Neukonzeption der Frühmittelalter-Abteilung des Museums Rüsselsheim. 

Im Frühjahr 2014 ging ich ins Museumsarchiv, um mir einen allgemeinen Überblick über den Bestand und den Zustand der Objekte zu verschaffen. Welche Stücke könnte man wohl in der neuen Dauerausstellung präsentieren und was kann man thematisch mit ihnen erzählen? In zahlreichen kleinen und großen Pappschachteln sorgsam verpackt fand ich die Gegenstände, die im 6. und 7. Jahrhundert als Beigaben in Gräber der Einwohner der Siedlungen in und um Rüsselsheim gelegt worden waren: Knickwandtöpfe, Fibeln, Ringe, Gürtelschnallen und -beschläge, Messer, Glasgefäße, Perlen, Spinnwirtel, Kämme, Waffen usw.

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Guck mal, wer da bloggt! (Teil 1) - Die Blogosphäre archäologischer Museen unter der Lupe

Bloggende Archäologie-Museen? (Foto: Florian Klauer via stocksnap.io)
Bloggende Archäologie-Museen? (Foto: Florian Klauer via stocksnap.io)

Was mich während der Gestaltung der neuen Frühmittelalter-Abteilung im Rüsselsheimer Museum noch bewegte, war die Frage, ob über den Entstehungsprozess einer archäologischen Ausstellungen bereits einmal in einem Blog berichtet wurde. Schließlich ist die Verwirklichung eines Ausstellungsprojektes ein spannender Vorgang, der sehr kreativ ist, der aber auch mit Irrungen und Wirrungen einhergeht. Er verlangt von allen Beteiligten viel Sitzfleisch, eine große Bereitschaft zur Kommunikation bis hin zur Streitlust sowie Entscheidungsfreudigkeit. Es müssen Themen gefunden, Konzepte erstellt, Objekte ausgewählt, Recherchen nach Ausstellungsstücken und Leihanfragen gemacht, die Präsentation und die Ausstellungslandschaft geplant sowie Texte für die Ausstellung und den Katalog verfasst werden. Über allem stehen die Fragen: Was will man erzählen und wie will man es erzählen? Was interessiert die Besucher/innen? Wie kann man die Ausstellung möglichst attraktiv und ansprechend gestalten?

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Was hat Rüsselsheim mit einem Rüssel zu tun?  - Zur Neugestaltung der Frühmittelalter-Abteilung des Stadt- und Industriemuseums Rüsselsheim (Teil 1)

Woher kommt der Name Rüsselsheim? (Foto: FeeLoona via Pixabay.de, Lizenz: CC0 Public Domain)
Woher kommt der Name Rüsselsheim? (Foto: FeeLoona via Pixabay.de, Lizenz: CC0 Public Domain)

Kurz gesagt: Nix! Der Ortsname hat rein gar nichts mit den prägnanten Nasenorganen von Dickhäutern zu tun und für alle Scherzkekse und Freunde des schlüpfrigen Humors sei außerdem noch bemerkt: Rüsselsheim ist auch keine Umschreibung einer Herrenunterhose. Damit hätten wir das auch geklärt.

 

Woher kommt der Name also? Er leitet sich von "Rucile(n)sheim" ab, was soviel bedeutet wie Heim/Siedlung eines (gewissen Herrn) Rucilin. Bei diesem dürfte es sich wohl um den Ortsgründer handeln. Die älteste Erwähnung von Rucile(n)sheim findet man im sogenannten "Lorscher Urbar" aus der Zeit zwischen 834 und 850. Das ist eine Auflistung von Abgaben und Diensten, die Bauern für den König leisten mussten. Die Endung "-heim" bei Ortsnamen, die besonders in der Rhein-Main-Region häufig auftritt, verweist darauf, dass die Ursprünge der kleinen Stadt am Unterlauf des Mains in der Zeit der Frankenherrschaft (Ende 5. Jahrhundert bis ins 8. Jahrhundert) liegen.

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