Frühes Mittelalter

Frischer Wind aus Mainz - Neuer Blick auf altbekannte archäologische Funde und neue Vermittlungsformen

Ausstellungsplakat (Foto: S. Steidl / RGZM)
Ausstellungsplakat (Foto: S. Steidl / RGZM)

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz befindet sich auf dem Weg zum neuen Museum und beschreitet schon im Vorfeld des Bezuges eines Neubaus mit seiner "Intervention" "Codes der Macht - Mit 16 auf den Thron" in dopplelter Hinsicht ganz neue Wege. Zunächst einmal beleuchtet die Ausstellung im Kurfürstlichen Schloss einen altbekannten Fundkomplex, nämlich das Grab des Frankenkönigs Childerich (5. Jh.) aus einer bisher kaum beachteten Perspektive, nämlich aus der des Sohnes Chlodwig. Wie nutzt der junge Mann die Bestattungsfeierlichkeiten für seinen Vater, um seinen Anspruch auf den Thron vor seinen Zeitgenossen zu demonstrieren? Die Ausstellung wird von einer Medienkampgane unter Einsatz von sozialen Medien begleitet, die zukunftsweisend in der musealen Vermittlung sein könnte.

ArchaeoZeit hat sich die Sache angeschaut und darüber einen Beitrag für die Website "zukunft-museum.de" geschrieben. Hier präsentieren verschiedene Autoren in kurzen Beiträgen neue Konzepte für Ausstellungen, Vermittlung und Finanzierung.

Weitere Infos zur Ausstellung: www.codes-der-macht.de

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Eine Gussform als Grabbeigabe - Zur Neugestaltung der Frühmittelalter-Abteilung des Stadt- und Industriemuseums Rüsselsheim (Teil 2)

Zweiteilige Gussform aus dem Fundarchiv des Rüsselsheimer Museums (Foto: H. Fuchs, Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim)
Zweiteilige Gussform aus dem Fundarchiv des Rüsselsheimer Museums (Foto: H. Fuchs, Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim)

Man soll ja bloß nicht glauben, dass Archäologen permanent neue Ausgrabungen durchführen müssen, um den Forschungsstand zu erweitern. Es reicht oft schon völlig aus die Fundarchive von Museen oder der Bodendenkmalpflege zu sichten. Dort ruhen viele Objekte, die häufig kaum bekannt oder gar abschließend wissenschaftlich ausgewertet sind. Zuweilen kann man auf diesem Wege ungeahnte Entdeckungen machen. Auf ein solches Stück stieß ich während meiner Arbeit an der Neukonzeption der Frühmittelalter-Abteilung des Museums Rüsselsheim. 

Im Frühjahr 2014 ging ich ins Museumsarchiv, um mir einen allgemeinen Überblick über den Bestand und den Zustand der Objekte zu verschaffen. Welche Stücke könnte man wohl in der neuen Dauerausstellung präsentieren und was kann man thematisch mit ihnen erzählen? In zahlreichen kleinen und großen Pappschachteln sorgsam verpackt fand ich die Gegenstände, die im 6. und 7. Jahrhundert als Beigaben in Gräber der Einwohner der Siedlungen in und um Rüsselsheim gelegt worden waren: Knickwandtöpfe, Fibeln, Ringe, Gürtelschnallen und -beschläge, Messer, Glasgefäße, Perlen, Spinnwirtel, Kämme, Waffen usw.

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Was hat Rüsselsheim mit einem Rüssel zu tun?  - Zur Neugestaltung der Frühmittelalter-Abteilung des Stadt- und Industriemuseums Rüsselsheim (Teil 1)

Woher kommt der Name Rüsselsheim? (Foto: FeeLoona via Pixabay.de, Lizenz: CC0 Public Domain)
Woher kommt der Name Rüsselsheim? (Foto: FeeLoona via Pixabay.de, Lizenz: CC0 Public Domain)

Kurz gesagt: Nix! Der Ortsname hat rein gar nichts mit den prägnanten Nasenorganen von Dickhäutern zu tun und für alle Scherzkekse und Freunde des schlüpfrigen Humors sei außerdem noch bemerkt: Rüsselsheim ist auch keine Umschreibung einer Herrenunterhose. Damit hätten wir das auch geklärt.

 

Woher kommt der Name also? Er leitet sich von "Rucile(n)sheim" ab, was soviel bedeutet wie Heim/Siedlung eines (gewissen Herrn) Rucilin. Bei diesem dürfte es sich wohl um den Ortsgründer handeln. Die älteste Erwähnung von Rucile(n)sheim findet man im sogenannten "Lorscher Urbar" aus der Zeit zwischen 834 und 850. Das ist eine Auflistung von Abgaben und Diensten, die Bauern für den König leisten mussten. Die Endung "-heim" bei Ortsnamen, die besonders in der Rhein-Main-Region häufig auftritt, verweist darauf, dass die Ursprünge der kleinen Stadt am Unterlauf des Mains in der Zeit der Frankenherrschaft (Ende 5. Jahrhundert bis ins 8. Jahrhundert) liegen.

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