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Naumachie - Die Inszenierung der ruhmreichen Vergangenheit. Ein Beitrag zur Blogparade #DHMMeer

"La naumaquiao" (Öl auf Leinwand). So stellte sich der spanische Maler Ulpiano Checa eine inszenierte Seeschlacht im Amphitheater vor. Foto: Wikimedia Commons, gemeinfrei.
"La naumaquiao" (Öl auf Leinwand). So stellte sich der spanische Maler Ulpiano Checa eine inszenierte Seeschlacht im Amphitheater vor. Foto: Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Das Meer und die Römer - dieses Thema alleine liefert schon eine unüberschaubare Fülle von Stoff zu #DHMMeer. Die Zahl der Implikationen würde schon eine eigene Blogparade rechtfertigen. Schließlich reichte das Imperium romanum in seiner größten Ausdehnung 117 n. Chr. vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer und von der Nordsee bis zum Mittelmeer. Letzteres nannten die Römer "mare nostrum", unser Meer, da es vom römisch beherrschten Gebiet  vollständig umschlossen wurde. 

Dabei war es Rom gar nicht in die Wiege gesungen, eine Seemacht zu werden. Der Aufstieg zur ernst nehmenden Größe im Mediterraneum begann ab ca. 270 v. Chr. durch die  Auseinandersetzungen mit Karthago, das zu der Zeit das westliche Mittelmeer beherrschte. Von einem angespülten sturmzerstörten Kriegsschiff der Konkurrenten schauten sich die Römer das "Know How" des Kriegsschiffsbau ab und begannen ihre militärische Macht auf das Mittelmeer auszudehnen. Eine Enterbrücke, mit deren Hilfe Soldaten auf ein feindliches Schiff gelangen können, war eine eigene Zutat. Die Schlacht bei Actium (Griechenland) im Jahre 31 v. Chr., bei der Octavian, der spätere Kaiser Augustus seine Widersacher Marcus Antonius und Kleopatra vernichten schlug, markiert den Endpunkt der römischen Seeschlachten. Ab diesem Zeitpunkt gehörte das gesamte Gebiet rund ums Mittelmeer zu Rom. 

Im Mainzer Museum für Antike Schiffahrt (hier befinden sich die spätantiken Rheinschiffe, die 1980/81 bei Bauarbeiten in der Innenstadt ausgegraben wurden) stelle ich immer wieder fest, dass die Besucher von einem Thema im Zusammenhang mit den militärischen Aktivitäten der Römer zu Wasser sehr berührt sind: Die Naumachien - inszenierte Seeschlachten vor Publikum. Die Reaktionen reichen von Erstaunen über Begeisterung bis hin zu Entsetzen. Diese Spektakel sind in den Quellen mehrfach überliefert. Sie dienten aber nicht nur zur Unterhaltung der Volksmenge - Stichwort: Panem et circenses -, sondern auch zur Stärkung des Wir-Gefühls. 

Kolosseum, Rom
Rom, Kolosseum. Ob auch hier Naumachien inszeniert wurden, ist umstritten, da der Bau dafür möglicherweise nicht ausgelegt war (Foto: Pixabay, Lizenz CC0)

Dabei wurde ein enormer Aufwand betrieben: Es wurden spezielle Kriegsschiffe gebaut, Gewässer künstlich angelegt oder Amphitheater entsprechend ausgerüstet, Sklaven spielten die Soldaten. Das früheste überlieferte Spektakel dieser Art veranstaltet Julius Cäsar im Jahre 46 v. Chr. in Rom auf dem Marsfeld anlässlich seines vierfachen Triumphes. Dargestellt wurde eine Schlacht zwischen einem phönizischen und einem ägyptischen Schiff. Der Andrang soll riesig gewesen sein. 2 v. Chr. ließ Kaiser Augustus eine permanente Anlage errichten, die später den Namen "vetus naumachia"- alte Naumachie trug. Der Begriff meint nämlich nicht nur das Schauspiel selbst, sondern auch die Anlagen dafür. Kaiser Claudius nutzte 52 n. Chr. ein natürliches Gewässer, nämlich den Fuciner See in Mittelitalien. Hier kämpften 19 000 Sklaven auf 50 Schiffen. In der Mitte des Sees lies er eine Triton-Statue errichten, die mit Hilfe einer Mechanik eine Fanfare blasen konnte, um den Beginn des Events einzuläuten. Von Nero ist überliefert, dass er Naumachien in Amphitheatern stattfinden ließ. Dabei kamen Krokodile zum Einsatz, die im Wasser umherschwammen, um die Spannung zu erhöhen. Ob diese Überlieferungen immer der Realität entsprachen oder nicht: Die Existenz dieser Naumachien gibt in jedem Fall ein Zeugnis dafür, welche Bedeutung die Römer dem Meer als Schauplatz der eigenen Geschichte beimaßen. Diese Rückschau auf die ruhmreiche Vergangenheit war zur Stärkung der eigenen Identität von enormer Wichtigkeit.

Leuchttrum Moritzburg
Leuchtturm in Moritzburg als Teil der künstlich geschaffenen maritimen Kulisse, in der Naumachien inszeniert wurden. Foto: Pixabay, Lizenz CC0

P. S.: Der Adel der Barockzeit verhalf der Naumachie übrigens zu einem Comeback: Der Brandenburger See in Bayreuth oder eine künstliche Meerkulisse in Moritzburg in Sachsen dienten als Austragungsorte. 

 

Nachtrag vom 25.7.2018:

Die Beiträge Nr. 92 und Nr. 95 der Blogparade #DHMMeer von der Museologin Margitta Hensel kommt Schlösser und Gärten Deutschland. Die Blogposts ergänzen mein "P. S." zum barocken Revival der Naumachie in der künstlichen Meerlandschaft bei Schloss Moritzburg in vielfältiger Weise: 

"Der Traum vom sächsischen Meer, Teil 1"

"Der Traum vom sächsischen Meer, Teil 2"

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Tanja Praske (Sonntag, 22 Juli 2018 08:44)

    Liebe Jutta,

    vielen herzlichen Dank für deinen herrlichen Beitrag zu #DHMMeer! Naumachien kannte ich noch nicht - also, wie immer etwas bei dir gelernt! Dafür schätze ich dein Blog sehr.

    Spannend finde ich dein PS zur Barockzeit. Fände es klasse, dazu von der Schlösserwelt mehr zu erfahren. Mal schaun', ob sie dazu etwas beitragen können.


    Herzlich,
    Tanja von KULTUR - MUSEUM - TALK

  • #2

    Jutta Zerres (Sonntag, 22 Juli 2018 10:18)

    Liebe Tanja,
    Danke für das Lob.
    Das Thema der Naumachien im Barock interessiert mich auch. Ich habe das auch erst bei den Recherchen zum Artikel erfahren. Über weitere Infos aus Moritzburg würde ich mich freuen.
    LG
    Jutta

  • #3

    Jutta Zerres (Sonntag, 22 Juli 2018 15:42)

    Zum P. S.: https://de.wikipedia.org/wiki/Leuchtturm_Moritzburg